Ambulante Pflegedienste in Zeiten von Corona

 

Konstanz war wichtig

Kontaktbeschränkungen, erhöhte Hygieneregeln und verunsicherte Kunden. Einschränkungen durch die Corona-Pandemie stellen die Arbeit der ambulanten Pflegedienste vor eine besondere Herausforderungen: Abstand wahren ohne distanziert zu sein.

Gisela Köger, Pflegedienstleiterin der Katholischen Sozialstation Schwäbisch Hall, erzählt im Interview, wie sich ihr Arbeitsalltag verändert hat.

 

Frau Köger, welche grundlegenden Veränderungen gab es?

Als im März die Kontaktbeschränkungen eingeführt wurden, war der Pflegedienst unmittelbar gefordert. Zum Alltag unserer Kunden gehörten vorher zum Beispiel der Besuch von Tagesförderstätten oder Tagespflege, Physiotherapie, Hausbesuche des Arztes und natürlich die Besuche der eigenen Familienangehörigen. All dies entfiel. Plötzlich musste Essen auf Rädern organisiert werden und es wurden dadurch mehr Besuche des Pflegedienstes bei den Kunden nötig. Außerdem natürlich waren auch viele Kunden, Angehörige und auch Mitarbeiterinnen verunsichert. Der Stand der Informationen änderte sich ja ständig.

 

Wie konnten Sie diesen Ängsten entgegentreten?

Wir haben ausführliche Infoblätter mit wichtigen Fragen und Antworten für Kunden erstellt und diese auch auf unserer Website veröffentlicht. Unsere Mitarbeiter wurden kontinuierlich über neuen Details und Regeln unterrichtet. Dazu kamen viel Telefonate mit Kunden oder Angehörigen und natürlich die Gespräche mit unseren Kunden während unseres Besuchs.

Bei manchen Kunden erledigen wir nur hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Mit diesen Kunden wurde und wird abgestimmt, wie viel Unterstützung aktuell wünschen. Manche verzichten zurzeit auch ganz auf unseren Service.

 

Was sind Ihre größten Herausforderungen?

Unsere Kunden haben oft verminderte kognitive Fähigkeiten, sie begreifen nicht, warum plötzlich die Familie nicht mehr kommt oder warum Besuche des Physiotherapeuten nicht mehr stattfinden. Dadurch gerät deren ganzer Alltag durcheinander.

Wo vorher Tagespflegestätte, Hausbesuche des Arztes, Physiotherapie, Unterstützung des Pflegedienstes und der Besuch von Familienangehörigen dem Tag Struktur und damit auch Sicherheit gegeben haben, ist jetzt ein großes nicht nachvollziehbares Nichts.

Wir arbeiten schon immer so, dass Kunden von einem festen Mitarbeiterteam betreut werden. So entsteht eine Vertrauensbasis – auch und gerade für Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten. Auch jetzt haben wir versucht, unsere Kunden weiterhin von festen Teams betreuen zu lassen. Damit das gelingt, haben viele unserer Pflegefachkräfte Überstunden auf sich genommen.

Eine weitere Herausforderung – weniger für unsre Mitarbeiterinnen als für die Kunden ist die Maskenpflicht während des Pflegeeinsatzes. Für Menschen, die schlecht Hören oder Sehen ist die Mimik des Gegenübers sehr wichtig. Das entfällt derzeit und sorgt immer wieder für Missverständnisse.

 

Hat sich inzwischen ein neuer Arbeitsalltag etabliert?

Wir sind zudem sehr froh, dass wir die vergangenen Wochen gut bewältigt haben. Wir sind ziemlich sicher, dass die Kontaktbeschränkungen mit dafür gesorgt haben, dass die Entwicklung aktuell gebremst werden konnte. Die Situation im Pflegealltag hat sich auf einem hohen Hygienestandard etwas beruhigt. Distanz wahren und dennoch menschliche Nähe vermitteln, ist eine enorme Anforderung, die unsere Pflegeteams täglich auf beeindruckende Weise meistern.

Im Augenblick können jetzt etwas aufatmen, aus den Erfahrungen der letzten Zeit lernen und Maßnahmen für die Zukunft ableiten.

 

 

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